Das Dorf und die Schnecken –Glosse-

Wir haben so viel verschieden Gärten wie in keinem anderen Dorf. Da gibt es Ziergärten, Dekogärten, Gemüsegärten, Naturgärten, verlassene Gärten.

Foto M.Franke
Foto M.Franke


So vielfältig die Gärten, sind Ihre Besitzer aber eins haben sie alle gemeinsam. Sobald im Frühjahr die ersten warmen Sonnenstrahlen kommen und die ersten Zwiebelblumen blühen zieht es sie alle nach draußen.
Und mit den ersten Sonnenstrahlen kommen die ersten Schnecken. Hier gibt es die Ackerschnecke, die Bänderschnecke, die Weinbergschnecke und die Nacktschnecke.
Ja, wir haben hier genauso viele verschiedene Schnecken wie Gärten. Jetzt könnte man denken, jede Schnecke hat so ihren Garten in Teschenmoschel, doch leider sind sie überall anzutreffen. Besonders bei Regenwetter sieht man sie geruhsam über unsere Dorfstrasse von einem Garten zum nächsten wandern. Ihr Appetit ist riesig und bei der großen Auswahl  wird auch eine Schnecke durchaus wählerisch. Da gibt es die Gemüsespezialisten, die Funkienspezialisten und die Staudenspezialisten.

Sie alle erledigen ihre Arbeit gründlich und ignorieren die verzweifelten Versuche der Gärtner wenigstens noch ein Blättchen zu retten.

Foto M.Franke
Foto M.Franke

Jeder Gärtner im Dorf hat da so seine Strategie.
Der Neuling in der Schneckenbekämpfung sammelt sie ab und wirft sie in die Moschel, wo sie dann flussabwärts freudig in den Mühlgarten wandern. Unten in der Mausmühle kennen sie das schon und bauen erst gar kein Gemüse mehr an.
Im Oberdorf werden sie durchgeschnitten und in einem Garten vertilgen Laufenten die Plagegeister. Weiter unten im Dorf ist die bewährte Praxis sie einzusammeln und mit kochendem Wasser zu überbrühen. Man sollte dies nicht unbedingt nach dem Frühstück erledigen, da diese glibberige abgekochte Masse schnell den Magen rebellieren läßt. Versuche mit Tagetes und Bierfallen soll es auch schon gegeben haben, aber waren nicht gerade vom Erfolg gekrönt.

Ich selber bin schon nachts um elf mit Taschenlampe durch den Hanggarten gekrabbelt um Schnecken zu sammeln und in den benachbarten Wald zu werfen, in der Hoffnung die Schnecken erliegen einem Schleudertrauma. Das einzige was zum Erliegen kam war die gute Laune meines Mannes, der meinte nachts um elf könnte man Sinnvolleres tun.

Foto M.Franke
Foto M.Franke

Dann haben wir hier noch die Brettmethode. Man legt Bretter aus und sammelt die Schnecken ab. Wohin damit. Ab in die Biotonne, man ist ja kein Mörder. Das Problem dabei. Der ganze Garten liegt voller Bretter und aus der Biotonne kommen sie wieder rausgekrochen.
Je mehr Schnecken im Frühjahr kommen um so rigoroser werden die Methoden und der Gärtner noch voller Kampfeslust tritt sie einfach tot oder nimmt als letztes Mittel das bewährte Schneckenkorn.
Nun hat jedoch der Gemüse- und Naturgärtner den nächsten Gewissenskonflikt. Das Gemüse will man ja noch essen und zuviel Gift geht da nicht. Der Naturgärtner sorgt sich um Igel und Co. und verwendet nur das Schneckenkorn von Neudorf. Doch bleibt dabei immer ein fahler Nachgeschmack und die Schnecken werden einfach nicht weniger.
Ruck zuck ist das Frühjahr vergangen und die übrig gebliebenen Pflanzenblätter werden härter und widerstandsfähiger gegen Schneckenfrass. Die Kampfeslust der Gärtner pendelt sich auf ein normales Mas ein. Schließlich gibt es noch anderes zu tun im Garten.
Zum Beispiel die von den Schnecken vernichteten Pflanzen zu ersetzen. Der Tag der offenen Gärten steht schließlich vor der Tür, da sollen die Lücken schon geschlossen sein.
Ja und dann, an diesem Tag setzen wir unser bestes Lächeln auf, plaudern entspannt mit den Besuchern und mancher von uns macht ein ganz erstauntes Gesicht wenn das Thema auf Schnecken kommt. Schneckenplage, na bei uns doch nicht.
Und zum Ende des Sommers haben sie sich irgendwie arrangiert, die Teschenmoscheler Schnecken und die Teschenmoscheler Gärtner .

Foto M.Franke

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

wp-puzzle.com logo