Ein ganz besonderer Gast Update

Ich hole den Beitrag mal wieder hoch. Wer den Film „Die Saga vom Vogel in der Hand“ von Arendt und Schweiger sehen möchte.:

Sa. 02.02.2019 Phoenix 16:30h
So. 03.02.2019 Phoenix 10:30h
Di. 05.02.2019 Phoenix 04:30h
Ein wunderbarer Film, den ich allen Naturliebhabern empfehlen kann.
Foto:M.Franke

Nachdem wir Teschenmoscheler fasziniert den diesjährigen Kranichzug mit knappen 7 000 Vögeln an einem Tag verfolgt haben, möchte ich Euch von einem ganz anderen Zugvogel erzählen.
Sein Brutgebiet liegt in den menschenleeren Weiten hoch im Norden oberhalb der Baumgrenze auf spärlich bewachsenen Flächen und offener Tundra, in Norwegen, Schweden und Finnland. Eine Sage in Lappland erzählt:“Lahol kann man nicht suchen, doch wenn du sein Land kennst, liebst und verstehst, nur dann zeigt er sich!“


Was macht nun die Faszination dieses Vogels aus. Sein grenzenloses Vertrauen den Menschen gegenüber, das selbst gestandene Tierfilmer wie Ernst Arendt und Hans Schweiger , bekannt durch die Naturfilmserie
Tiere vor der Kamera , in Ehrfurcht erstarren läßt.
Ein kleiner Mornellregenpfeifer trippelt auf Ernst Arendt zu, setzt sich vertrauensvoll in seine Hände und brütet dort. „Ein bewegender Moment, wie die Begegnung mit dem Paradies, die Versöhnung von Mensch und Natur“ berichtet er später.
Was hat nun ein Vogel aus der Tundra  mit Teschenmoschel zu tun.
Auf dem Weg in sein Winterquartier in Afrika durchquert er Rheinland Pfalz. Einige, wenige traditionelle Rastplätze sind bekannt und von großer Bedeutung für den Bestand dieser Art. Durch seine hervorragende Tarnung und wegen des sehr wählerischen  Aussuchens des Rastplatzes aber auch die kurze Rast von meist nur einem Tag ist er schwer zu entdecken.

Foto:M.Franke

Die von ihm gewählten Rastplätze erinnern an sein Brutgebiet. Weite, große, leicht hüglige Flächen, ohne jegliche Vertikalstrukturen. Wo die Vegetation seine Bauchhöhe nicht überschreiten darf.

Und hier beginnt die Geschichte von unseren Mornells:
Anfang September. Auch das letzte Maisfeld ist abgeerntet und die Feldmark präsentiert sich in einem einheitlichen braun. Selbst die neu eingesäten Felder zeigen noch keine grünen Spitzen. Eine Zeit im Jahr, wo ich ungern meine Runde gehe. Lustlos schlendere ich den Weg entlang. Alle Felder sind knochentrocken, die Sonne blendet gnadenlos. Ein Turmfalke versucht doch noch irgendwas in dieser Einöde zu entdecken und selbst die zahlreichen Feldlerchen haben sich verkrümelt.

Foto:M.Franke

Unwillkürlich musste ich an den Mornellregenpfeifer denken. Eigentlich ist das hier genau die richtige Gegend, dachte ich. Nein, heute bei blendender Sonne und diesem endlosen Einheitsbraun, wirst du ihn nie entdecken und so verwarf ganz schnell wieder den Gedanken,  die Gegend nach Mornells abzusuchen. Was hatte ich schon alles über diesen Vogel  gehört. So manch einer soll sich den Morgen und den Abend um die Ohren geschlagen haben und hat ihn nicht gesehen. Meist hockt er in einer gleichfarbigen Ackerfurche und verschmelzt mit seiner Umgebung. Oft ist es nur ein rastender Mornell, was die Sache nicht einfacher macht.

Foto:M.Franke

Nein, wegen einen Mornell in dieser Wüste, werde ich mir nicht die Zeit totschlagen und Meter für Meter absuchen. Doch plötzlich, aus den Augenwinkeln heraus nehme ich eine kurze Bewegung wahr. Ich bleibe stehen. War da was? Ach, war wohl nur der Wind, der einen trocken Halm über den Acker geweht hat. Ich gehe weiter. Doch wieder eine kurze Bewegung. Da war doch was. Ja, da ganz weit hinten sah ich es. Amselgroß, und dann eine Bewegung, tüb, tüb, tüb ,Pause, tüb, tüb, tüb, tüb; Pause tüb, tüb Pause. Angestrengt schaue ich durch mein Fernglas.

Foto:M.Franke

Und da steht er, aufrecht schaut er mich mit seinen großen runden Augen an, als wenn er sagen wollte:“ Hey, noch nie einen Mornell gesehen!“ Einer, tüb, tüb, tüb, noch einer , oh Gott noch einer, und da wieder einer. Wo ist die Kamera, verflucht im Rucksack und der hängt am Rücken. Wenn ich jetzt die Kamera hole, schoss es mir durch den Kopf, finde ich auf diesen endlosen Acker die Mornells nicht wieder. Egal Risiko. Hastig hangelte ich im Rucksack nach meiner Kamera. Verdammt sind die weit weg und dann noch gegen die Sonne. Das wird nix. Doch irgendwie schaffe ich ein paar halbwegs brauchbare Fotos und lege genervt die Kamera beiseite.
Nein, diesen Anblick will ich genießen. 15  Mornells, die entspannt auf diesem für mich unwirtlich Fleckchen Erde nach Nahrung suchen. 15 Mornells  hatten sich mir mit einer sorglosen Selbstverständlichkeit präsentiert und plötzlich war die unwirtliche Platte gar nicht mehr so unwirtlich. Es war an diesem Tag ein wunderschöner Ort für mich. Man muss verstehen, daß der Anblick von 15 rastenden Mornells schon eine kleine Sensation ist, wo mancher Naturliebhaber sonst was für geben würden.

Foto:M.Franke

Aber wie sagt man so schön: Man muss das Land auf dem der Mornell rastet lieben und respektieren. Dann zeigt er sich auch und rastet gerne bei uns. Für diesen charismatischen Vogel, ist die heutige  Bearbeitung und Bestellung der Äcker eine Notwendigkeit. Abgeerntete Felder mit kurzen Ernterückständen und einmal durchgegrubbert. Das erinnert ihn an sein Brutgebiet und so hat alles seine zwei Seiten. Das Hadern mit einer sogenannten Agrawüste, aber auch die Faszination einer ausgeräumten Landschaft.
Ohne das wir nur einen Gedanken an diesen Vogel verschwendet haben, oder von seiner Anwesenheit wussten, haben wir ihn auf unseren Ackerflächen zur Rast eingeladen.
„ Zeige ihm behutsam, dass Du sein Land kennst, liebst und verstehst, – dann vertraut er Dir alles an, was er besitzt: Seine Freiheit, sein Leben, seinen Nachwuchs!“
So erzählen  Arend u. Schweiger in ihrem Film:
Die Saga vom Vogel in der Hand

Bild wurde von Arendt und Schweiger für diesen Bericht freigegeben. Ich bedanke mich.

4 Gedanken zu „Ein ganz besonderer Gast Update“

  1. Liebe Margrit,

    das hast Du wieder sehr leidenschaftlich geschrieben. Dementsprechend berührt es die Seele, wenn man es liest.

    vielen Dank für Deinen unermüdlichen Tatendrang, uns diese unvergesslichen Bilder zu präsentieren.

    konntest Du in all der Hektik auch Kranichbilder machen? jetzt, wo ich weiss, wie man sie zählt?

    Lieben Gruß und frohes Erkunden und Dokumentieren unserer schönen Umwelt
    Sonja

    1. Danke Sonja,
      nur einige wenige Kranichbilder sind mir gelungen. dieser Massenzug von 42 Ketten innerhalb kurzer Zeit war einfach zu hektisch und so hatte ich dem Zählen den Vorrang gegeben. Aber es kommen noch ein paar Nachzügler. Vielleicht zeigen sie sich.

  2. Hallo Margrit, ich bewundere immer deine tollen und sehr ausführlichen Berichte ,dahinter steckt sehr viel Zeit und Geduld und Mühe , immer wieder sehr schön zu lesen.
    Wir waren am Samstag Nachmittag in Meisenheim und haben da zufällig den Kranichzug erlebt,ich wollte es kaum glauben,es waren tausende in kurzer Zeit die vorüber gezogen sind,ein wunderbares Nauturschauspiel.
    L.G. Helmut

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