Ein neuer Baum für Teschenmoschel

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Foto:H.Stark

Über hundert Jahre hat uns die Linde in der Dorfmitte empfangen. Viel hat sie gesehen. Unsere Hauptstrasse als Schotterpiste, das Milchhäuschen und das Wasserbecken daneben. Viele Geschichten hat sie gehört wenn man sich am „Linnebaum“ traf.  Stolz trotze sie dem Ausbau unserer Hauptstrasse. Sie überstand den Abriss des Milchhäuschens und blühte jedes Jahr zuverlässig. Ihr Platz wo sie stand wurde immer enger, das Streusalz im Winter setzte ihr zu und das lieblos in ihre Rinde genagelte Schild „Naturdenkmal“ ertrug sie mit Fassung.
Damals, als sie gepflanzt wurde, gehörte Teschenmoschel zu Bayern und der Prinzregent Luitpold verwaltete die pfälzischen Gemeinden. Ihm zu Ehren wurde in vielen Orten damals eine Linde gepflanzt.
Dieses letzte Zeugnis der damaligen Zeit die „Luitpoldlinde“ verabschiedete sich im Winter 2015 von uns. Übrig blieb der innen verfaulte Wurzelstumpf, der uns noch einen Sommer lang trotzig die damalige Zugehörigkeit zu Bayern vor Augen hielt aber uns auch an die „Guten alten Zeiten“ erinnerte.

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Foto:H.Stark

Am Mittwoch kam Firma Fett aus Gangloff mit großem Fuhrpark und der mächtigen Wurzel ging es mit schwerem Gerät an den Kragen. Trotz des vermoderten Innenkerns hatte der Minibagger nicht immer ein leichtes Spiel. Genügend Handarbeit mit Spitzhacke und Spaten blieb da noch übrig. Gefährlich wölbte sich das Pflaster beim Versuch einen noch intakten dicken Wurzelstrang zu entfernen. Karl-Heinz Hoffmann, unser Baumspezialist, half tatkräftig mit und erzählte von vergrabenen Münzen oder Ähnliches, die man bei der Pflanzung damals üblicherweise mit eingegraben hatte. Das Entdeckerfieber war geweckt und wir wachten über jede Schaufel Aushub, die abgefahren wurde. Da! Eine blau/weiße Scherbe blitze kurz auf und war nicht mehr gesehen. Immerhin konnte ich zwar keine Luitpoldmünzen, aber ein Milchhäuschen-Fragment und eine Milchkrug-Scherbe ergattern.

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Foto:M.Franke

Für unseren neuen  Baum wurde guter Boden und ein Pflanzring eingearbeitet. K.-H. Hoffmann besorgte noch massenhaft Kanister mit Wasser zum Angiessen und mit einem Umtrunk, wo auch unsere Eiche feierlich begossen wurde, hießen wir unseren neuen Baum in der Dorfmitte willkommen.

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Foto:H.Stark

Schlank und rank reckt die Säuleneiche ihre Äste nach oben und ersetzt frech, mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit unsere schöne alte Linde, bis in 100 Jahren auch an ihr das Alter nagen wird. Aber das ist dann eine andere Geschichte. Von einer alten Säuleneiche die damals, in einem Dorf in der Pfalz gepflanzt wurde zu einer Zeit, wo Selfies hipp waren, man im Internet surfte und…….

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Foto:M.Franke

 

Ein paar Bilder der gutgelaunten Arbeitstruppe habe ich noch für euch:

3 Gedanken zu „Ein neuer Baum für Teschenmoschel“

  1. Ein super Bericht! Es ging ja „nur“ um die alte Linde bzw. die neue Eiche aber man denkt, dabei gewesen zu sein! Nächsten Samstag sind mein Mann und ich in Teschenmoschel und besuchen die junge Eiche….

    1. Wir Teschenmoscheler freuen uns über jeden Besuch und eine kräftige Unterstützung für unseren neuen Dorfbaum. Da wird ihm das Anwachsen doppelt schnell gelingen. Danke.

  2. Ach ja, de Linnebom. Ich erinnere mich sehr gut an ihn. Ich bin Jahrgang 1941 und war mit meiner Mutter in Teschenmoschel in Evakuierung. In der Dorfstrasse bei Familie Hoffmann. Lang lang ists her. Durch Zufall bin ich hier auf diese Seite gestoßen und habe den Bericht gelesen. Viele vergrabene Erinnerungen werden wach. Herzliche Güsse an Teschenmoschel !!!!!! 😀

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