Entdecke Teschenmoschel Teil 2

Foto:M.Franke

Bei herrlichem Sonnenschein, gehen wir vom Bürgerhaus auf die Hauptstraße Richtung Westen, vorbei am Dorfbrunnen.

Hier stand früher das Milchhäuschen und unsere alte Linde, wo unsere Kätje von berichtet hat. Natürlich auch eine Bank. Unser Wappen ist auf die Hauswand einer kleinen Tischlereiwerkstatt gemalt. Aus Sandstein gebaut und mit großen Fenstern passt dieses Gebäude wunderbar in unseren Ortskern. Ich hoffe es bleibt uns noch lange erhalten und die Werkstatt wird wieder zum Leben erweckt. Wir gehen weiter Richtung Oberdorf. Vorbei an alten, renovierten Bauernhäusern und schmiedeeisernen Toren, mit dezent verzierten Sandsteinsäulen. Alte Handwerkskunst, die trotz reiner Zweckmäßigkeit, doch mit Liebe zum Detail erstellt wurde.

Foto:M.Franke
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Linker Hand kommt unser ältestes Haus. 200 Jahre ist es bestimmt schon alt und der mächtige Giebel säumt die Hauptstraße. Vorne, ein kleiner Wohnbereich und angrenzend die Scheune. Man kann noch gut erkennen, wie das Fachwerk mit Lehm und Stroh ausgefüllt wurde. Im oberen Teil des Hauses gibt es einen kleinen Saal, der in die Scheune hinein gebaut wurde. Hier soll es früher Tanzveranstaltungen gegeben haben. Heute fährt man ja schnell mit dem Auto zu Veranstaltungen, aber damals war das nicht so einfach und so kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Tanzsaal gerne genutzt wurde. Selbstverständlich steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Ein schönes, aber auch ein schweres Erbe für den Besitzer.

Foto:M.franke
Foto:M.Franke

Weiter geht’s, vorbei an der alten Schule. Sie ist heute in Privatbesitz, doch der kleine Turm mit der alten Glocke bleibt unserem Dorf erhalten. Täglich um 11 Uhr und um 18 Uhr hört man sie läuten. Wenn man hier eine Weile gewohnt hat, orientiert man sich automatisch daran. Wir wissen auch ohne Uhr dass es bald Zeit zum Mittag oder Abendbrot ist. Am letzten Haus auf der rechten Seite, sagt noch mal kurz ein Hund Bescheid, daß jemand im Dorf unterwegs ist. Also nicht erschrecken.

Foto:M.Franke
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Es geht links hoch und hier treffen wir auf einen der Stolpersteine, die kürzlich bei uns gesetzt wurden. Hier wohnte Aurelia Forsch. Mit 62 Jahren ist sie nach Auschwitz gekommen und ermordet worden. Hinter der Scheune befand sich die ehemalige Synagoge mit Wohnhaus und Hofraum. Erbaut 1756. Nichts ist mehr davon übrig geblieben. Unmittelbar daneben haben 2 Familien gelebt. Einmal die Familie des Schneiders Forsch und die Familie des Krämers Forsch. Der Gebetsraum war 6 x 8 m groß und 5 m hoch. In ihm befanden sich drei Torarollen, zehn Toramäntel, ein Pult und ein Kronleuchter . Da sich in den Jahren keine Minjans (10 religionsmündige Männer) einfanden, waren  seit 1910 keine Gottesdienste mehr möglich. Da war unsere Aurelia Forsch 30 Jahre alt. 1938 beim Novemberpogrom, wurden alle Gegenstände aus der Synagoge geplündert und teils auf freien Feld verbrannt. 58 Jahre war Aurelia da und hat dies wohl in Teschenmoschel miterlebt. 2 Jahre später wurde sie deportiert und mit 62 Jahren in Auschwitz ermordet. Wie viel Jahre konnte sie wohl unbeschwert in Teschenmoschel wohnen, waren es 40 Jahre? Welche Angst muss sie gehabt haben, als 1938 die Synagoge geplündert wurde. Warum ist sie nicht geflohen, wo war ihre Familie und  warum ist sie in Teschenmoschel geblieben? Es sind so viele Fragen offen und mir gelingt es leider nicht, unserer Aurelia Forsch ein Gesicht zu geben. Zu rigoros wurden bei diesem Verbrechen alle Spuren beseitigt. Doch ich stelle mir vor, wie sie vielleicht auch mal so unbeschwert diesen Weg gegangen ist, den wir heute gehen.

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Foto:M.Franke

Nach diesem geschichtsträchtigen Zwischenstopp gehen wir weiter und lassen das Dorf hinter uns.

Bei diesem herrlichen Wetter treffen wir auf Inge. Sie engagiert sich sehr für den Tierschutz und ist unsere Hunde- und Katzenspezialistin. Die Tiere sind ihr so dankbar, dass selbst ihre Katzen meinen, beim Spaziergang raus aus dem Dorf mitgehen zu müssen. Also, schön langsam fahren auf diesem Weg, wenn ihr Inge seht. Es kann sein, dass da noch irgendwo Katzen am Wegrand sitzen.

Foto:M.Franke
Foto:M.Franke

Auf der Hälfte angekommen, sehen wir etwas abseits vom Weg, ein kleines Häuschen mit Sendemast. Eigentlich ist es ziemlich hässlich und oft überlege ich, ob ich nicht einfach eine Rankpflanze ans Häuschen setze, um es wenigstens etwas zu kaschieren. Aber die Teschenmoscheler wären keine Teschenmoscheler, wenn sie das Häuschen nicht zu nutzen wüssten. Dort steht im Sommer eine kleine Bank, windgeschützt an die Wand gelehnt. Ziemlich versteckt, doch mit einer schönen Aussicht runter auf das Dorf.

Foto:H.Stark -Bänke-
Foto:H.Stark

Weiter geht es Richtung Nussbach. Jetzt im Frühjahr, wenn die Rapsfelder blühen, liegt ein angenehm süßlicher Duft in der Luft und die Landschaft bietet typische Postkartenmotive. Felder und Wiesen so weit das Auge reicht. Milan und Bussard ziehen ihre Kreise und weiter hinten steht öfters ein kleines Rudel Rehe und manchmal, kann man den Schwarzstorch fliegen sehen.

Foto:M.Franke
Foto:M.Franke

Oben an der alten Römerstraße angekommen sehen wir schon rechts die 2 Bänke mit Tisch. Der kleine Kirschbaum ist noch nicht sehr groß, und der Stamm ist mit einem Drainagerohr vor Wildverbiss geschützt. Unsere Rehe sind eben Feinschmecker und lassen sich solche Leckerei, wie junge Rinde, natürlich nicht entgehen. Ich bin schon gespannt wie die Kirschen schmecken werden und hoffe, unsere Vogelwelt lässt uns ein paar übrig.

Foto:M.Franke
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Durch die leicht hügelige, freie Landschaft hat man das Gefühl mitten in den Feldern zu sitzen. Man fühlt sich dem Himmel ein Stück näher und selbst die Wege scheinen direkt im Nichts zu enden.

Foto:M.Franke
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Es ist spät geworden und wir machen uns auf den Heimweg. Zuhause angekommen, werfe ich noch mal ein Blick zurück und kann einen wunderbaren Sonnenuntergang genießen.

Foto:M.Franke
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2 Gedanken zu „Entdecke Teschenmoschel Teil 2“

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