Tag des Gedenkens/ Jom haScho’a

Foto:M.Franke

Am 30. Januar 1933 begann die Zeit des Nationalsozialismus. Zu dieser Zeit lebten 25 jüdische Menschen in Teschenmoschel. Durch die zunehmende Entrechtung und Boykotierung zogen viele weg. Bereits 1938 lebten nur noch 12 jüdische Einwohner in unserem Dorf. Zwei Jahre später waren es nur noch sechs, bis sie im Herbst 1940 aus ihren Häusern geholt wurden und nie wieder kamen.
Ich gehe über den Judenfriedhof, oberhalb von unserem Dorf. Schlichte Grabsteine aus Sandstein blicken nach Osten. Verwitterte Inschriften und Texte, deren Inhalt ich zu verstehen suche. Das Alter nagt an dem Sandstein doch scheinen sie zu sprechen, sich würdevoll zu neigen und ich versinke in verschwundenen Inschriften und verwitterten Botschaften.

Foto:M.Franke

Meine Gedanken wandern zur Zeit des Nationalsozialismus und das große Verbrechen, was auch unseren Juden damals ereilte. Es ist schwer zu erfassen, in einer Zeit, wo es kaum mehr Überlebende gibt. Doch die Steine erzählen mir, von den Teschenmoscheler Juden, wie sie freundschaftlich mit uns in unserem Dorf lebten. Wo sie Landwirtschaft betrieben, einen kleinen Krämerladen unterhielten und es ein friedliches Zusammenleben gab. Bis zu dem Tag, als ein Bus an der Ecke Maggesgasse/Am Mühlweg parkte, Polizei mit Karabiner ausstiegen und die letzten Juden aus Teschenmoschel verschwanden.
„Geh heim und hol’ deine Pistole, damit wir uns alle vorher erschiessen  können“, rief noch Max Michel seinem Nachbar Steller zu.
Wir alle wissen welches grausame Schicksal Max und Eleonore Michel, der Mutter Rosa Michel, und den betagten Frauen Aurelia Forsch und Karoline Neumann durch uns Deutsche widerfahren ist. Dies will ich in Erinnerung bewahren und auch in Zukunft durch Beiträge weitertragen, damit unsere Teschenmoscheler Juden nicht in Vergessenheit geraten.

Foto:M.Franke

Mit Auszügen aus einem jüdischen Gebet für den heutigen Gedenktag/ Jom haScho’a, verabschiede ich mich von unseren Juden auf dem Friedhof und gehe nachdenklich nach hause:

….es sollen finden die verdiente Ruhestätte
all die Seelen der Sechs-Millionen Juden,
….Opfer der Shoah in Europa,
ermordet, geschlachtet,
…..und sie mögen ruhen an ihrer Lagerstätte in Frieden.
Und sie mögen wieder erstehen zu ihrer Bestimmung
am Ende der Tage.

Foto:M.Franke

2 Gedanken zu „Tag des Gedenkens/ Jom haScho’a“

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