Überfall auf Teschenmoschel im Morgengrauen

Überfall auf Teschenmoschel
Foto:M.Franke

Im April 1760 ereignete sich ein Überfall auf unser Dorf, das damals dem Freiherrn Carl Friedrich von und zu Schorrenburg gehörte.

Aus den Zeugenaussagen des damaligen Bürgermeisters Caspar Bernhard und den Teschenmoschelern Michael Klein und Hans Nickel Kutscher erfahren wir Einzelheiten über die Vorgänge:

Der Beamte Creuzer aus Meisenheim zog um 3 Uhr morgens mit 200 Bewaffneten nach Teschenmoschel. Die Mannschaft war mit Gewehren und Äxten bewaffnet.  Zuerst umstellten sie Teschenmoschel. Dann zerschlugen sie mit den Äxten Scheunen-, Stall- und Kellertüren. Bei manchen Häusern auch die aus Lehm bestehenden Wabenfelder zwischen den Holzteilen des Fachwerks, um eindringen zu können.

Abgesehen hatten es die Angreifer hauptsächlich auf das Vieh. Doch die Teschenmoscheler waren gewarnt worden und hatten ihre Ochsen und das Großvieh weggebracht und versteckt. So nahmen die Räuber hauptsächlich die kleinen Rinder und die Schweine mit. Dabei drohten sie jedem, der es wagen sollte, Widerstand zu leisten, ihn vollständig zu ruinieren und als Gefangene mitzunehmen. Den Teschenmoscheler Ludwig Merlen traktierten sie mit Schlägen so übel, dass man nicht wusste, ob er überleben würde. Dann trieben sie das Vieh auf den Wellenberg, ließen es aber anschließend, weil es angeblich nicht der Mühe wert war, es mitzunehmen, wieder zum Dorf zurücklaufen. Nachdem sie gedroht hatten wiederzukommen, machten sie sich davon. Ein Teil der Mannschaft zog mit dem Beamten Creuzer nach Meisenheim, der andere Teil in Richtung Nussbach. Die Teschenmoscheler Zeugen berichteten, dass sie dort in den Wirtshäusern erzählt hätten, sie wüssten wohl, dass die Teschenmoscheler ihr Großvieh im Wald und in fremden Gemarkungen versteckt hätten . Sie würden den Überfall wiederholen, wenn keiner mehr damit rechne.

Eine Woche nach diesem Überfall, wurde der Schultheiß Brabander aus Teschenmoschel, vom Freiherrn von Schorrenburg beauftragt, heraus zu finden, was die Räuber als Nächstes vorhatten. Brabander schickte seinen Schwiegersohn  Michael Schwarz nach Meisenheim, damit er sich dort umhöre. Dieser erfuhr in den Wirtshäusern, daß geplant sei, abermals Teschenmoschel zu überfallen und, wenn kein Vieh zu holen sei, alles mitnehmen würde was man finden könnte.

Dies berichtete  Brabander dem Freiherrn von Schorrenburg und erzählte auch, daß die Teschenmoscheler jede Nacht ihr Vieh versteckten. Auch hätten sie bereits ihre Wertsachen in andere Dörfer gebracht, da man ja nicht wissen könnte, wann die Räuber wieder kämen. Auch der Bürgermeister informierte den Freiherrn von Schorrenburg und bat um Hilfe. In einem Schreiben schilderte er ausführlich den Raubüberfall vom 21.April:

Man hätte das Fuhrvieh rechtzeitig verstecken können. Das von den Räubern mitgenommene Kleinvieh, habe nicht einmal die Unkosten der Räuberbande gedeckt, weshalb sie es auch zurückgelassen hätten. Wegen der angedrohten Wiederholung, bat er in diesem Schreiben den Freiherrn um Hilfe, da sie ja nicht Tag und Nacht aufpassen könnten. Außerdem sei man nicht in der Lage, sich einer solchen Übermacht zu wehren. Der Ackerbau lag fast brach und es sei unmöglich alle geforderten Abgaben an Freiherrn von Schorrenburg aufzubringen.

Natürlich ließ sich von Schorrenburg den Überfall auf sein Dorf nicht gefallen und er erhob Anklage, auch gegenüber des Beamten Creuzer aus Meisenheim. Bereits am 09.Juni 1760 erging dann vom kaiserlichen Kammergericht folgende Anordnung:

Unter Androhung einer Strafe von 10 Mark (löthiges Gold) wird dem Beklagten verboten, jegliche Gewalttaten, insbesondere in Teschenmoschel auszuüben und den zugefügten Schaden und die dadurch entstandenen Kosten zu ersetzen.

Quellen:Landesarchiv Speyer, Donnersberg-Jahrb.-Bd.34-S.87-89

 

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