Zug- und Rastvögel über Teschenmoschel

Foto:M.Franke

In den vielen Jahren, wo ich hier in Teschenmoschel lebe, hatte ich mir immer vorgenommen, die Zug- und Rastvögel um unseren Ort zu kartieren. Das vermehrte Aufkommen im Herbst, aber auch im Frühjahr lässt auf einen Zugkorridor direkt über unseren Ort schliessen. Doch haben wir in unserer Gemarkung neben diesem Zugkorridor auch einige traditionelle Rastplätze verschiedener Vogelarten. Diese haben die wichtige Funktion, der Nahrungsaufnahme und Erholung um den anstrengenden Flug zu überstehen.
Begleitet mich durch ein Jahr Zugvogelbeobachtung und staunt über die verschiedenen Wintergäste bei uns.

Im Frühjahr rasteten Kiebitz, Goldregenpfeifer und Kraniche kurz bei uns und zogen weiter in ihre Brutreviere. Wiesen- und Kornweihe gaukelten über die grün werdenden Felder, unschlüssig ob sie hier bleiben  oder weiterziehen sollen.

Im August, wo die Sonne noch kräftig scheint und niemand an den Herbst denkt, läuteten Schwarzmilane, die Vogelzugzeit zum Herbst ein.  Eine imposante Menge von 55 Vögel übernachtete bei uns, um Kraft für den Weiterflug zu sammeln. Dicht an dicht hockten sie abends auf zwei Strommasten verteilt, um bei Sonnenaufgang ihre Reise fortzusetzen.

Schwarzmilan, M.Franke

Geschätzte 500 Rauchschwalben, vorwiegend Jungvögel belagerten unser Dorf im August. Sämtliche Stromleitungen waren besetzt und selbst auf den Ziegeldächern sah man Schwalbe an Schwalbe sitzen. Einen Tag und eine Nacht. Am späten Morgen zog die Bande weiter. Ein Teil unserer Jungschwalben zog mit, doch unsere Altvögel konnten sich noch nicht von unserem Ort trennen und blieben noch ein Weile hier.

Zwei tolle Beobachtungen, die Lust auf mehr machte, aber die Hauptzugzeit lies durch die warme Witterung etwas auf sich warten. Ca. 20 Rotmilane rotteten sich mittlerweile zusammen und bezogen ihren gemeinsamen  Schlafplatz in unserer Gemarkung. Tagsüber sah man sie im lockeren Verband mit Rabenkrähen und Staren nach Nahrung suchen oder trafen sich auf den frischgepflügten Acker, der fette Beute versprach. Lange konnte es aber nicht mehr dauern, dann würden auch sie aufbrechen.

Ab 20. Oktober ging es dann hoch her über unseren Köpfen.
Ca. 500 Stare blieben kurzfristig bei uns und um die 200 beschlossen den Winter hier zu verbringen. Wildgänse und Kormorane überflogen Teschenmoschel und rund 1200 Ringeltauben überquerten an einem Vormittag den Ort. Die Rotmilane zogen ab. Wobei immer wieder  einige Spätzünder aus dem Norden bei uns ankamen. Bodennah, nach Nahrung suchend wanderten sie Richtung SW. Den letzten Rotmilan sah ich am 07.12.2017, der hatte sicher gehofft, er kann sich den anstrengenden Flug ersparen.

Stare, M.Franke

Am 28.10.2017 kamen dann die ersten Kraniche. Ein kleiner Trupp von 57 Vögel, denen am nächsten Tag  1300 folgten. Von da ab ging es Schlag auf Schlag und ich konnte knapp 7000 Kraniche manche Tage bis spät in die Nacht zählen. Wobei ihr traditioneller Rastplatz auch dieses Jahr wieder von einer kleinen, späten Truppe genutzt wurde.

Ein Teil der Feldlerchen beschloss nach Süden zu ziehen und eine kleine Truppe blieb in der Heimat. Kiebitz und Goldregenpfeifer werden leider von Jahr zu Jahr weniger und so konnte ich nur knapp 100 Kiebitze und 88 Goldregenpfeifer bei der Rast im Frühjahr und im Herbst zählen.

Im November/Dezember trafen dann die Gäste aus dem Norden ein wie: Birkenzeisig, ein Trupp Schwanzmeisen, Kernbeisser, ein paar Stockenten , Buchfinken und eine Gruppe von 40 Wacholderdrosseln die sich zusammengeschlossen hatten. Manche blieben nur kurz und zogen weiter. Andere beschlossen hier zu bleiben. Ein trauriger Fund war eine Waldschnepfe, die wohl Opfer eines Raubvogels war der aufgeschreckt wurde und die Beute liegen ließ.

Wldschnepfe, M.Franke

Eine stolze Summe an Durchzüglern, Gästen und Artenvielfalt obwohl ich nicht täglich und meistens nur nachmittags unterwegs war. Alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

Schade finde ich die Abnahme der Kiebitze. Ihr traditioneller Rastplatz, der über Jahrzehnte besteht, ist heute eine Ackerfläche auf der sich im Winter das Wasser sammelt. Früher hatte der Landwirt diese Fläche als Wiese gelassen, da durch die Staunässe kein vernünftiger Getreideanbau möglich war. Zu lange hält das Wasser sich dort. Hunderte von Kiebitzen sollen damals auf der Wiese regelmäßig  gerastet haben. Heute können wir froh sein wenn es 100 sind. Schade für den tollen Vogel, der mittlerweile auf der Roten Liste steht.

Kiebitz, M.Franke

Trotz all dem Wandel in der Landwirtschaft und den damit einhergehenden Verlust der Flächen für die Feldvögel haben wir doch noch eine  Vogelzugaktivität. Auch wenn man schon den Artenrückgang merkt,  können wir stolz sein, daß Zugvögel bei uns immer noch zu einer kleinen Erholungspause einkehren. Gerade im Herbst und im Frühjahr haben diese Rastvögel ihre Ruhepause dringend nötig um Kräfte zu sammeln. Freuen wir uns an ihrem Anblick und zeigen unsere Gastfreundschaft indem wir versuchen sie nicht unnötig zu stören.
Hier noch ein kleines Video für Euch. Aufgenommen aus sehr großer Entfernung. Zu scheu sind diese Vögel des Glücks und beunruhigen wollte ich sie auf gar keinen Fall.

5 Gedanken zu „Zug- und Rastvögel über Teschenmoschel“

  1. Oh,hab grad gemerkt das ich im Rückstand bin mit den Beiträgen anzusehen Ein ganz toller Beitrag das hat bestimmt einige Zeit und Mühe gekostet,meine Anerkennung ,auch ich bin begeistert!!!!

  2. Auch wir schließen uns dieser Begeisterung an. Du bist doch eine überaus aufmerksame Beobachterin
    und hälts diese Eindrücke auch noch gleich in Wort und Bild für uns fest. Ein wirklich wunderbarer Beitrag. Vielen Dank u. liebe Grüße Ernst u. Ingrid

  3. Ich ringe noch um Fassung: Welch eine Vielzahl an Vogelarten! Ich sehe wohl immer nur die üblichen Garten-und Feldvögel oder aber ich bin „blind“. Diese Seiten sollten möglichst viele lesen. Vielleicht hebt das dann das Verständnis für den notwendigen Naturschutz. Gratuliere, Margrit, weiter so! Wilhelm Thom, Bisterschied,

  4. Super!
    Dann werden wir uns doch gleich noch aufmerksamer der Natur widmen!
    Danke für den tollen Beitrag! Er war auch schon eine Bereicherung für ein 3.Klässer Schulreferat!

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